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Führung unter Druck

Zuversicht ist Chefsache

Sven Braun29.09.20263 Min. Lesezeit

In fast jedem Briefing für eine Geschäftsführung höre ich dieselben Anforderungen: strategische Weitsicht, Umsetzungsstärke, Transformationserfahrung. Was ich dort fast nie höre, ist das Wort, auf das es derzeit am meisten ankommt: Zuversicht.

Dabei ist sie keine Charakterfrage und schon gar keine Schönfärberei. Zuversicht ist Arbeit. Sie entsteht, wenn jemand an der Spitze die Lage nüchtern benennt und trotzdem einen Weg zeigt.

Die Forschung stützt das. Führungskräfte mit ausgeprägter Hoffnungsorientierung finden mehr Lösungswege, und ihre eigenen Vorgesetzten beurteilen sie besser. In Veränderungsprozessen gehen gerade die Mitarbeitenden am ehesten mit, die am zuversichtlichsten sind. Die WirtschaftsWoche hat das kürzlich gut zusammengefasst.

Mit Optimismus hat das wenig zu tun. Der Optimist geht davon aus, dass es schon gut wird. Zuversicht meint zwei Dinge: eine klare Vorstellung davon, wie man ein Ziel erreicht, und die Überzeugung, selbst etwas daran ändern zu können.

Gute Leute bleiben selten nur wegen des Gehalts. Sie bleiben wegen der Aussicht.

Ich kenne das aus meinen Jahren als Personalleiter. In Veränderungs- und Integrationsprozessen habe ich erlebt, dass Belegschaften mit schlechten Nachrichten erstaunlich gut umgehen können. Schwierig wird es, wenn sie das Gefühl haben, selbst nichts mehr bewirken zu können. Und sie spüren sehr genau, ob ihr Chef an die eigene Strategie glaubt.

Genau so beurteile ich heute Kandidaten für Top-Positionen. Wenn jemand von einer Krise erzählt, höre ich weniger darauf, wie souverän das klingt. Mich interessiert: Was war der nächste Schritt? Warum dieser? Und was ist danach passiert?

Erfahrung und Ergebnisse stehen im Lebenslauf. Ob jemand eine Organisation auch dann mitnimmt, wenn der Weg noch nicht klar ist, zeigt sich erst im Gespräch.

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